Relegation - Die unendliche Geschichte

Zähringen : Hartheim -13/22-/15-/-25/-9
Zähringen – Hausach 20-/-17/18-/-20/-12

Wir marschieren ja meist parallel zum SC Freiburg, deswegen sei folgendes Gedankenexperiment gestattet:

Der SC spielt am 12.5. Unentschieden gegen Augsburg und steht auf dem 16. Tabellenplatz. D.h. doch eigentlich Relegation, oder? Oder Klassenerhalt? Oder Direktabstieg? Wer weiß. Nachdem erst einmal die DFL, DFB und die UEFA konsultiert worden sind, verkündet der BL-Spielwart nach nur drei Wochen bereits am 9. Juni die erlösende Botschaft, es wird Relegation gespielt! Als sich Hoffenheim endgültig von CL-Ambitionen verabschiedet hat, wird die Relegation dann tatsächlich am 23. Juni angesetzt und wegen dem gleichzeitg stattfinden WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bereits auf 12 Uhr vorverlegt. Einige Spieler des SC als auch der gegnerischen Mannschaft befinden sich zwar schon im Urlaub („der Termin war ja nicht klar!“), es entwickelt sich aber trotzdem ein hochdramatisches Spiel mit hohem Unterhaltungswert. Nachdem der SC nach Verlängerung und Elfmeterschiessen 11:9 gegen Holzbein Kiel gewonnen hat, forderten die Fans lautstark die Freibierdusche des Trainers. Doch dessen Nachname ist Programm und ob das Ergebnis wirklich was wert ist, muss noch zwischen DFL und DFB ausgehandelt werden. In der Relegation zu gewinnen heisst ja nicht automatisch, dass man auch in der Liga verbleibt! Aufgrund der Niederlage entlässst Kiel seinen Trainer und setzt alle Flaggen auf Halbmast. Nachdem Schalke nachträglich zum deutschen Meister erklärt wurde (Bayern spielt eh in einer eigenen Liga) und der HSV-Dino seinen Protest wegen Verstoß gegen das Gesetz zur Rettung bedrohter Arten zurückgezogen hat, wird tatsächlich am 1. Juli dann doch der Klassenerhalt der Freiburger verkündet. Da gleichzeitig Leipzig, bedingt durch den Ausstieg des Hauptsponsors (irgendwas mit Viehzucht?), die Lizenz entzogen wird, können sowohl Freiburg als auch Holzbein Kiel nächste Saison in der Bundesliga spielen! Kiel versucht daraufhin fieberhaft, seinen Trainer wieder einzustellen, aber der hat bereits in Frankfurt unterschrieben.

Verrückt? Ganz Fussballdeutschland würde aufschreien und diesen Unfug beenden? Nein, nicht ganz Fussballdeutschland. Ein kleiner Landesverband tief im Südwesten der Republik leistet noch Widerstand und macht es genau so.

Bevor nun weitere philosophische Betrachtungen und Grundsatzdiskussionen zur Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des o.g. Vorgehens angestellt werden, soll zunächst über das Elfmeterschiessen berichtet werden:
Nach der ewigen Warterei war die Spannung eh schon auf dem Siedepunkt und die beach-volleyballtauglichen Aussentemperaturen liessen die Gemüter weiter hochkochen. Zwei kurzfristige Spielerausfälle erzwangen dann noch taktische Umstellungen in letzter Sekunde. Der erste Gegner kam aus Hartheim, ein alter Bekannter im wahrsten Sinne des Wortes. Umso erstaunlicher der Verlauf des ersten Satzes, den wir mühelos zu 13 gewannen. Im zweiten Satz wähnten wir uns zu sicher, eine Aufschlagserie brachte Hartheim 5 Punkte in Front und auch diverse Spielerwechsel konnten da nichts mehr ausrichten. Der dritte Satz begann noch schlechter. Mangelnde Durchschlagskraft im Angriff, kaum Spielaufbau und der gute Hartheimer Block brachten uns schnell in Rückstand. Schon alles vorbei? No, we fight! Bis zum Satzende konnten wir uns trotz guter Angriffe aufgrund unserer stets im niedrigen einstelligen Bereich verharrenden Aufschlagquote nie wirklich einen Vorsprung herausspielen. Aber die Nerven haben gehalten. Ein Matchball abgewehrt und unseren zweiten Satzball verwandelt, Tie-Break! Bei 8:8 wurden die Seiten gewechselt und danach liessen wir nichts mehr anbrennen. Die Zuschauer haben uns super angefeuert und nach gut zwei Stunden konnten wir den Sack zumachen. Gut, dass wir nicht wie Hausach nur 6 Spielerinnen dabei hatten. Nach der für uns ungewohnt kurzen Pause von nur 30 min ging’s schon weiter, gegen Hausach. Eine wesentlich jüngere Mannschaft, athletisch, schnell und mit einer richtig guten Mittelspielerin. Den ersten Satz haben wir benötigt, um uns wieder zu sammeln und neu zu konzentrieren. Der zweite Satz dann mit umgekehrten Vorzeichen, vielleicht unser bester am ganzen Spieltag. Druckvolle Aufschläge, super Angriffe vor allem über aussen und der Ausgleich war da. Im dritten Satz kam der Einbruch in der Annahme. Im Angriff hatten wir zuwenig Fantasie, den Hausacher Block zu überwinden. Schon wieder stand alles auf der Kippe. Auf dem Zahnfleisch kriechend aber vollgepumpt mit Adrenalin begannen wir den vierten Satz auf der guten Seite. Eine 5-Punkte Serie brachte uns früh in Front und gegen unsere Rückraumangriffe konnte der Hausacher Block nicht mehr viel ausrichten. Also, wieder Verlängerung und Elfmeterschiessen. Bis zum 8:11 sah es gar nicht gut aus. Aber dann kam eine unsere besten Aufschlägerinnen und drehte den Spiess um. Auf einmal war Hausach wieder nervös und das Glück auf unserer Seite. Zwei Netzrollerpunkte zum Schluss brachten den erlösenden Satzgewinn! Und wenn dann irgendwann nach der WM das Spielergebnis offiziell bestätigt und die neue Ligenzusammensetzung verkündet wird, hat sich der ganze Stress der Saison vielleicht doch noch gelohnt.

Nachtrag 27.4.: unser Klassenerhalt wurde offiziell von der Spielwärtin bestätigt !

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